Vom 22.-27. September 1999 fand in Bayreuth die 132. Jahresversammlung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft (DO-G) statt. Die GTO bereitete unter der Federführung ihres Vizepräsidenten Dr. Christoph HINKELMANN ein tropenornithologisches Symposium vor, das am 24. September 1999 mit einer Reihe von Vorträgen aus verschiedenen Arbeitsgebieten tropenornithologischer Forschung einen aktuellen über den derzeitigen Stand dieser Disziplin im deutschsprachigen Raum gab.
Christoph HINKELMANN, Bardowick, faßte einleitend mit einem Übersichtsvortrag über "Die Bedeutung der Tropenornithologie im deutschsprachigen Raum: alles andere als ein exotischer Beitrag" zusammen, was deutschsprachige Ornithologen zur Erforschung der tropischen Avifauna beigetragen haben. Ohne NATTERER, WIED, SPIX, HARTLAUB, SEILERN, TSCHUDI, BERLEPSCH, REICHENOW, HELLMAYR, SICK, APPERT, um nur einige zu nennen, wäre unsere Kenntnis tropischer Vogelarten ganz sicher anders als sie es heute ist. "Kontaktzonen bei Tropenvögeln und ihre biogeographische Bedeutung" hatte der Beitrag von Jürgen HAFFER, Essen, zum Thema: Zahlreiche deutlich differenzierte geographische Vertreter von Vögeln des tropischen Regenwaldes treffen entlang von solchen Kontaktzonen aufeinander und hybridisieren hier (Subspezies) oder schließen einander geographisch aus, ohne sich zu vermischen (Spezies). Jochen MARTENS, Mainz, und Siegfried ECK, Dresden, erläuterten ihre Untersuchungen am Goldbrillenlaubsänger: "Der Selcercus burkii-Komplex im Himalaja und in China oder: Schätzen wir die Diversität der Singvögel falsch ein?". Wie die Befunde anhand von Morphologie, Bioakustik und Molekulargenetik nahelegen, handelt es sich bei der "Art" um einen Formenschwarm aus mehreren Kryptospezies, die unbedingt weiterer Untersuchungen bedürfen.
Mehr praktisch ausgerichtet waren die Vorträge des zweiten Blocks. Eberhard CURIO, Bochum, stellte unter dem Thema "Warum untersuchen wir Vogel-Pflanze-Beziehungen auf den Philippinen?" die Naturschutzkomponente in den Vordergrund. Die Ausbreitungsstrategie von Tropenwaldbäumen durch Frugivorie bei Vögeln steht dabei im Mittelpunkt der Forschungen seiner Arbeitsgruppe an der Ruhr-Universität Bochum. Einen Ausschnitt aus der laufenden Forschung gab Hans WINKLER, Wien, in seinem Vortrag "Ornithologische Untersuchungen im Kronendach eines neotropischen Regenwaldes (Projekt Surumoni)". Untersucht werden dort mit Hilfe eines Kranes ökomorphologische Fragen, Aspekte der Ausbreitung von Vogelgesängen, Habitatnutzung, Biologie der Fruchtfresser, und es wurden grundlegende Daten zur Häufigkeit und Saisonalität der Vogelwelt gesammelt. Last but not least brachte Corinna BARTSCH, Dreieich, einen Beitrag aus der Vogelhaltung: "Aus dem Augenwinkel betrachtet: In menschlicher Obhut gewonnene Kenntnisse zur Biologie tropischer Vogelarten am Beispiel von Sperlingswebern". Der Vortrag zeigte einmal mehr, daß intime Artenkenntnisse, insbesondere was Verhalten, Nestbau und Jungenaufzucht anbelangt, häufig nur durch eine art- und verhaltensgerechte Vogelhaltung gewonnen werden können.
Die Ornithologische Gesellschaft in Bayern e.V., Gastgeber der DO-G-Tagung in Bayreuth, hat die Möglichkeit eingeräumt, einige Beiträge des Tropenornithologie-Symposiums als Themenheft des "Ornithologischen Anzeigers" zu publizieren. Darunter befinden sich u.a. die Übersichtsarbeiten von HINKELMANN, HAFFER, MARTENS sowie eine Arbeit von Karl-L. SCHUCHMANN über Kolibris. Das Themenheft wird voraussichtlich im März 2000 erscheinen.
Als kostenlose Serviceleistung erhalten alle Mitglieder der GTO ein Heft automatisch auf dem Postweg zugesandt. Weitere Hefte können -- so lange der Vorrat reicht -- gegen einen Kostenbeitrag von DM 23,-- bezogen werden bei:
Zoologische Staatssammlung München, Frau Dr. Juliane DILLER, Münchhausenstr. 21, D-81247 München. Robert PFEIFER